Ah, la France…..
Zur Abwechslung schreibe ich heute einmal einen Wochenendbericht aus dem Land des laissez faire (oder war es savoir vivre?) Wie auch immer. Bloggen wie Gott in Frankreich.
Nach dem Mailservercrash letzte Woche habe ich kurzentschlossen einen Flug in die Heimat der Goetter und des Rotwein gebucht, gerade rechtzeitig zur bekannten Fete de Ferrieres. (Ich weiss noch immer nicht wie ich Sonderzeichen benutze, ausserdem bin ich bekennender Legastheniker.) Als Freund und Nachbar des “President du Commitee de la Fete de Ferrieres” bekommt man nicht nur Pastis bis zum Abwinken eingeschenkt sondern darf/muss auch mithelfen. Die Gemeinde Ferrieres besteht aus knapp 20 kleinen Doerfchen, wobei ein “Dorf” hier oft aus einem einzigen Bauernhof besteht. Die ganze Gemeinde Ferrieres hat etwa 150 Einwohner und zieht zur Fete mehr als 1000 Personen an zwei Tagen an, was fuer die hiesigen Umstaende schon rekordverdaechtig ist. Man befindet sich ja schon am Arsch der Welt, irgendwie. Freitag Mittag geht es los, ein blumengeschmueckter Traktor nebst Anhaenger faehrt von Kaff zu Kaff und kippt die Dorfjugend auf die Terrassen und in die Gaerten der gewappneten Einwohner. Es wird, wie soll es auch anders sein, hektoliterweise Pastis gereicht, dazu Oliven und Nuesschen. Dieses Ritual wird von lautem groehlen, Musik, Pauken und Trompeten begleitet. Freitag Abend ist es dann so weit: Die Fete beginnt. Ich muss nicht noch einmal den Pastis, die Oliven und die Nuesschen erwaehnen, oder….? Franzoesische Schunkelmucke untermalt die wild gestikulierenden Baskenmuetzentraeger, die Riesenpfanne Muscheln schmurgelt duftend vor sich hin. Vegetarier haben hier uebrigens Pech gehabt, so was gibt es hier genau genommen gar nicht. Es gibt eine Auswahl aus Schlachteplatte, Grillteller, Muscheln oder Schweinegulasch. Vegetarisch ist nur das Obst, welches man natuerlich nur zu einer Schlachteplatte oder einem Grillteller bekommt. Gefeiert wird normalerweise bis 5:30 morgens, denn um 6:00 muessen die meisten Teilnehmer ihre Kuehe melken. (Tatsache) Landwirtschaft und Granitabbau sind hier die Stuetzen der Gesellschaft, ganz langsam kommt auch sanfter Tourismus in die Gegend. Samstags ging es dann weiter, diesmal mit Liveband und einem Menue fuer das man sich schon Wochen vorher die Tickets besorgen musste. Es gab…..Schlachteplatte, Gulasch, Kaese, Kuchen und Obst, genau in dieser Reihenfolge, nur diesmal mit festem Sitzplatz und Bedienung. Wasser, Wein und Gesang
sind natuerlich immer inbegriffen. Auch wenn man kein Fan von solch fleischlastigen Mahlzeiten ist: Es ist immer wieder ein Erlebnis mit ein paar hundert Hardcorefranzosen im Festzeltchen zu hocken und gemeinsam das Baguette zu rupfen. Viel gelernt habe ich die Tage: Ich trinke nun lieber “Ricard” statt “51″, habe unter fachkundiger Aufsicht meine eigene Farbe entdeckt (Die Truebung des Pastis-Wassergemischs, “la couleur” bzw. nun “ma couleur”) und ich weiss wie man ein Festzelt unter Alkoholeinfluss abbaut ohne dass etwas passiert. (Stichwort: Langsaaaaaaaaam, Doucement….) Ausserdem weiss ich nun, dass man besser nicht mehr als 12 Pastis trinkt wenn man noch Rotwein eingeplant hat. Obwohl das mit dem Pastis wiederum eine Frage der Farbe ist….. Aber 12 Pastis sind hier so die Regel, das geht schon, wat mutt, dat mutt. Zum Thema Festzeltabbau noch ein Lagebericht: Gestern Morgen um 9:00 Uhr angefangen, um 10:00 Uhr wurde die erste Rotweinpause eingelegt, getarnt als “Petit Dejeuner”, das kleine Fruehstueck. Brot, Kaese, Schlachteplatte. Um 11:00 Uhr wurde dann die Arbeit wieder aufgenommen, fuer eine Stunde etwa, denn um 12:00 Uhr ist Zeit fuer den Apero. Jawohl, Pastis, Oliven und Nuesschen. Wir mussten dazu einen Festzelttisch nebst Baenken wieder aufbauen, im 30 Minuten Takt kamen weitere Leute dazu (Der Dorfplatz liegt schliesslich direkt an der “Strasse”) und am Ende sassen wir an drei Tischen und sechs Baenken. Irgendwie muss man ja die Reste wegtrinken. Die Frauen bereiteten derweil, gestaerkt von mehreren Muscadet, wieder Muscheln und andere Reste zu. Das grosse Fressen ging bis 16:00 Uhr, man beschloss dann die Reste des Zeltes doch besser morgen abzubauen, denn man hat ja voellig die “Sieste” verpasst. Ein Nickerchen in Ehren…..zwischen 12:00 und 15:00 geht hier im Sommer normalerweise nichts. Heute Morgen wurde ich dann um 9:00 Uhr abgeholt, Petit Dejeuner, Zelt teilweise abbauen, Apero, Essen, Dusche, London. Kulturschock. Naja, jetzt habe ich den Buergermeister, den Metzger, den Baecker, den Holzfaeller, mehrere Landwirte und deren Soehne und Toechter endlich mal persoenlich und nicht nur irgendwie ueber meinen Vater kennengelernt. Der versprochene Transporter kam uebrigens nicht wie geplant am Montag Vormittag an, die Zeltreste konten nicht verladen werden. Wer faehrt nun die Baenke und Tische weg? Kurzerhand die Nachbargemeinde Vabre angerufen und deren Staedtischen Mitarbeiter nebst Transporter bestochen. Die kamen dann gegen 12 (Apero Zeit, was fuer ein Zufall) und fuhren die Baenke und Tische weg. Der Burgermeister bedankte sich per Handschlag, ein bisschen Wurstplatte und einer Flasche Ricard. So geht das hier. Nicht aufregen, immer langsaaaaaam. Ja dann kommt er wohl morgen, der Transporter. Wer hat eigentlich gesagt, dass er heute kommt? Ach so, niemand. Na dann wird er wohl regulaer erst morgen kommen. Ja wann treffen wir uns Morgen denn? Zum Apero? Alles klar. Heute Abend wie geplant das Boulespiel? Aqui, ca marche! Aber trotz aller Gemuetlichkeit der Franzosen: Im Auto sind sie unausstehlich. Sie rasen wie die Irren und ueberholen auf waghalsigste Weise des ueberholen willens. Aber sonst sind sie ganz pflegeleicht, zumindest so lange Pastis und ausreichend Eiswuerfel vorraetig sind. Irgendwo hoert der Spass halt auch auf, gell. Ich werde nun oefters einen Flug nach Fronkraisch buchen, gleich drei Flughaefchen werden von London angeflogen, Carcassonne, Toulouse und Perpignan, alle nicht mehr als eine Stunde vom Ziel entfernt. Vive la France