Griechisch, Spanisch und ueberhaupt.
Montag Morgen. London, Regen, die Frisur sitzt. Gekleidet in feinstem Zwirn lasse ich rassistische Kommentare per Email los. Das Entsetzen ist gross. Kopfschuetteln. Enttaeuschung. Internationale Krisensitzungen werden einberufen. Der UNO Sicherheitsrat ist in Bereitschaft. Dabei hab ich es doch nur gut gemeint.
Habe eine Anleitung zur Spam Bekaempfung und -vermeidung verfasst und durch den Email Verteiler gejagt. Mit dem Hinweis: “If all this sounds Greek to you, drop me a line!” was so viel heisst wie “Falls Du nur Bahnhof verstehst, schreib’ mir eine Email!”. Womit ich nicht gerechnet habe: eine Kollegin mit Griechischen Wurzeln. Ihre Antwort auf meine Info reduzierte sich auf einen pampigen Satz: “And what is wrong with Greek?!” Sie war sauer. Tief verletzt in ihren “Mein-Urgrossvater-war-eine-ethnische-Minderheit” Gefuehlen. (Ich darf so schreiben, ich bin selbst eine ethnische Minderheit.)
Aua. Ja nix is wrong mit den Griechen. Guter Feta und so. Auch Oliven. Und echte Antike, wow! Philosophen! No, no. Damit wollte sie sich nicht abspatzen lassen. Habe ihr erklaert, dass man das eben so sagt. Ganz ohne rassistische Hintergruende. Einfach so. Die Chinesen sagen “himmlisch verfasst”, die Tschechen sprechen von Spanischen Doerfern, die Hollaender finden das alles Lateinisch oder Chinesisch, die Franzacken sogar Javanesisch und Hebraeisch dazu. Die Italiener verstehen nur Arabisch; die Norweger, Schweden, Perser, Portugiesen, Englaender und Slowenier verstehen, achtung, nur Griechisch. Tuerken verstehen sogar nur Franzoesisch. Wir Deutschen koennen sogar Bahnhoefe verstehen! Ja, ja! Wenn wir nicht gerade Boehmische Doerfer besuchen. Das ganze habe ich mit der Ueberschrift “Learning English with André” versendet, natuerlich ohne drohend zu bemerken, dass es Montag Morgen ist und ich noch keinen Kaffee intus habe. Also Vorsicht ist geboten liebe Kollegin! Die Antwort war kurz und versoehnend: “The kettle is on…” was so viel heisst wie “Der Wasserkocher ist an”. Sie hat den Ernst der Lage erkannt und sofort deeskalierende Massnahmen eingeleitet. So lob’ ich mir das. Multikulturelle Konfliktbereinigung auf Teekuechenbasis. Die UNO ist benachrichtigt, die Deutschen Friedenstruppen duerfen in Afghanistan bleiben. Es ist alles wieder OK im Londoner head office. Und ich rette nun weiter die Britische Economy. Ach ja, der feine Zwirn. Kein geringerer als Sir Colin Lucas hat mich persoenlich neben einer Hand voll anderen erlesenen Gaesten in die British Library zum Abendtee geladen. Ausstellungseroeffnung mit Haeppchen und Schampus. Man wird ueber Kunst und ihren Einfluss auf die Gesellschaft fachsimpeln und wichtig tun. Ich werde nicht zu spaet kommen, nicht underdressed sein und vor allem nicht unrasiert auftauchen. Ich habe uebrigens so gar keinen Plan warum ich da eingeladen wurde, nur einen Verdacht: Ich habe mich mal ziemlich betrunken mit dem Pressechef der British Library (auch ziemlich betrunken) unterhalten. Ueber experimentelle Kurzfilme und deren politische Sprengwirkung in sozialistisch gepraegten Laendern. Ich muss ihn beeindruckt haben. Solche Einladungen sind echt rar und begehrt. Ich werde berichten
So weit der Montag Morgen, die Sonne kommt gerade raus und ich werde nun was schaffen. Der Kaffee wirkt. Schoenen Wochenanfang, Kontinent!
am 27. November 2006 um 19:43 Uhr.
Viel Spass in der Library (sehr schoener Ort), wird auch mal Zeit dass du dich da mal hinbewegst;-) tja mit Einladung ist es natuerlich leichter…have fun!