Boykottieren der Boykotteure

Moin, moin, liebe Leser! Es ist Samstag 17:00 Uhr und ich komme langsam wieder zu mir. Gestern war naemlich Freitag. Und die haben es ja bekannterweise in sich. Ich habe einen sehr netten Abend bei meinen Freunden in der 704 verbracht, so nennt man hier eine der angesagtesten WGs weit und breit….

Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zurueck zum Boykott. Die Boykotteure standen bei meinem Nachmittagsshopping in der Bond Street herum und schrien, umzingelt von Polizei, unverstaendliches in die Mikrofone. Rechts die Intifada Fraktion, welche den oertlichen Marks and Spencer Einkaufsladen boykottierte, links die Juedische Befreiungsarmee gegen Intifada Boykott. Oder so aehnlich. Die Intifada war zuerst da, die juedischen Jungs und Maedels kamen spaeter dazu, als sie von der Boykottaktion hoerten. Die Boykotteure
Die Intifada Jungs fanden den M&S Laden ganz doof, weil er so viele Lebensmittel aus Israel importiert und somit einer der groessten Foerderer der Israelischen Unterdrueckung ist. Naja, wenns hilft….ich beschloss mit dem juedischen Stand anzufangen, da eine wirklich nette hinten dran stand und ich gerne aus Ihrem huebschen Mund die Wahrheit hoeren wollte. Ich wurde sofort von drei jungen Herren umzingelt und ausgefragt, von wegen was ich hier wolle und ob ich fuer ihre Sache bin. Hab mich gefuehlt wie in einem Monty Python Streifen. Ich sagte Ihnen, dass ich viel lieber mit der jungen Dame reden wolle, weil sie so ruhig und fokussiert sei. Das wurde mir nicht erlaubt. Auf meine Frage, ob denn juedische Frauen in der Oeffentlichkeit kein Rederecht besitzen und ob man sie hier nur zum anbaggern missbraucht, wurde mir nicht geantwortet. Na gut, dann legt mal los. Ich wurde also aufgeklaert, wie boese die ganze Welt ist, wie boese besonders alle sind die gegen den juedischen Glauben sind und wie besonders abartig boese die da drueben sind. Unterstrichen wurde das ganze mit einem schlecht gemachten Flyer. Auf diesem prangte eine palaestinensische Flagge mit einem Hakenkreuz in der Mitte. Na sowas. Und ich dachte, Hitler sei tot! Ich versicherte mich noch einmal genau ob der Mann wirklich tot ist oder ob er eventuell mit Elvis im Gazastreifen wohnt. Sie konnten nicht darueber lachen. Das war auch so geplant. Ich fragte sie , ob es so rein marketingtechnisch nicht besser sei, das Hakenkreuz nicht in die Mitte eines juedischen Aufklaerungsblaettchens zu setzen. Sie sagten, es sein ja nur ein Symbol, damit die Leute wissen wie boese die da drueben sind. Aha. So einfach ist das also. Meine naechste Argumentationskette fusste auf der Erkentnis, dass bereits Hitler dieses sehr alte religiös-rituelle Symbol fuer billige Propaganda missbraucht hatte und ob sie sich mit diesem, rein symboltechnisch, nun auf eine Stufe stellen wollen. Unverstaendnis. Also, doch, wir brauchen wohl mal einen Inder. Da es in London nicht sonderlich schwer ist schnell einen Inder zu finden, hatte ich flugs einen netten Herren zur Hand. Dieser antwortete kurz und praezise, dass es sich bei der Svastika um einen Glücksbringer handelt. Es setzt sich zusammen aus den Silben su- (gut) und asti (Substantiv as-ti- zum Verb as- sein) – wörtlich also: das (zum) Gutsein (gehörige), das Heilbringende. Na dann….sag ich’s doch. Scheiss Marketing. Voellig daneben. Kein Wunder will niemand Eure Flyer lesen. Das erste was man sieht ist eine Pali Flagge mit ’nem Hakenkreuz. Glaubt Ihr wirklich, Boykotteure, dass in London waehrend dieser geladenen Tage irgendwer solch ein Pamphlet abgreifen will? Wie ihr ja selbst bemerkt habt: Nein.
Die Boykotteure der Boykotteure
Also auf zu den Nachbarn. Auch dort eine Dame mit Flyern, auch sie durfte ich nicht sprechen. Auch hier wurde ich umringt von Freiheitskaempfern, diesmal Geschmackssorte Intifada. Und hey, unglaubliches trug sich zu! Er sprach Offebacherisch. Uebersetzt auf Englisch, natuerlich. Er also: „Hey, what’s your problem. He? What’s your problem, man? Do you have a problem? What are you looking for?“ Diesem herzlichen „Was guggsd Du“ konnte ich natuerlich spontan entgegensetzen:
“ Konkret! Alder! Isch nix Problem, DU habbe Problem. Deshalb Du hier rumstehen in Saukaelte und schreien einzigste Interessent wo gugge kommt bloed von Seite an!“ Natuerlich auch in Englisch. Aber man hatte schon mal eine gemeinsame „gongrede“ Basis. Das mit dem Problem war schnell geklaert: Ich kam gerade vom Marks shopping und den juedischen Boykott-Boykotteuren und stand dann vor ihm: mit der M&S Tuete, dem Hakenkreuz Pamphlet und einem -israelischen- Orangensaft in der Hand. Auch hier folgte eine hitzig-religioes gepraegte Rede der anderen Seite der Macht und ich war langsam echt gelangweilt. Kennt man ja alles und irgendwo haben sie beide recht und so weiter, ach, Herr, lass auch hier Hirn regnen, bitte!!! Die Herren beider Fraktionen sahen wie normale Londoner aus, so um die 25/30 Jahre alt und waren sogar ein bisschen hip. Ich sagte beiden, dass man sich doch in einer Stadt wie London auch mal zusammen in einen warmen Raum setzen koenne um kreativ an einer Loesung zu arbeiten. Aber nein. Man mag den Krieg heruebertragen. Ich persoenlich finde es sehr gut, wenn Gruppen in dekadenten Staedten auf das Leid in armen Laendern aufmerksam machen. Aber so dumm und kontraproduktiv wie die es versucht haben, nee danke. So wird das nix. Der Palaestinenser versicherte mir uebrigens nochmals, dass die Svastika nicht zu ihrer Nationalsymbolik gehoert. Werde ich jetzt erstochen? Wo fuehr das alles hin? Ich kann allen religioes verunsicherten nur eine, die WAHRE Religion ans Herz legen. Ich glaube an Homer Simpson, Master Yoda und bin darueber hinaus natuerlich bekennender Pastafari.

Die von mir gewaehlte Religion bietet deutliche Vorteile gegenüber anderen Religionen. Dazu gehören vor allem folgende Punkte:

* Es gibt flauschige moralische Standards
* Jeder Freitag ist ein religiöser Feiertag
* Im Himmel erwartet mich eine Stripperfabrik und ein Biervulkan

Ihr glaubt es nicht? Seht selbst und staunet!!

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Ramen. Euern scheinheilische aus Londonesien, Berichtertatter im Namen des Herrn.

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