Castellum Londinium

Wir befinden uns im Jahre 2005 n.Chr. Ganz Londinium ist von Einwanderern besetzt. Ganz? Nein! In schwülen U-Bahnhöfen und um feuchte Haltestellen treiben sich derzeit ein paar gar seltsame Brüder und Schwestern herum.

Ausgerüstet mit dem Feuerspeer „Heckler und Koch MP5“, der ihnen ihre berühmt-berüchigte Zauberkraft verleiht, strömen sie nach dem Morgengebet in der Wache aus in die engen Gassen Londiniums und widmen sich ihrem neuen Volkssport: der Terroristen-Jagd.

Wer jetzt was fallenlässt macht sich verdächtig. Zu meinem grossen Verdruss haben sie jetzt auch noch die letzten Mülleimer abmontiert. Fest installierte Eimer werden derzeit mittels Plastikfolie und Polizei-Sammelstickern hübsch verpackt. Und wie bei jedem Furz den das Englische Teegemüt erregen könnte gibt es natürlich auch ein Plakat dazu. Man soll seinen Müll mit nach Hause nehmen. Na das ist ja mal ganz was neues. Ich wittere da den hoffentlich erfolgreichen massenpsychologischen Versuch, den Müll, welcher von den Eingeborenen in grossen Mengen kostenlos an die Natur verteilt wird, mit todlicher Verwechslungsgefahr zu in Verbindung zu bringen. Leere Coladose = potenzielle Bombe = umweltfreundliche Direktexekution. Endlich wir alles einem geordneten Recycling zugeführt. Gemeinsam im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Na wer sagts denn, geht doch.

Natürlich schiesst hier keiner keiner nochmal so schnell wie beim letzten mal. Die Bobbydichte hat aber schon dramatisch zugenommen. Wo man über lange Strecken bisher nicht einmal einen Kontrolleur sah, rennen nun mit Maschinengewehren behangene Minitrupps durch die ohnehin schon zu engen Waggons und Doppeldecker. Morgends, abends, oben, mitte unten: Überall stehen sie nun. Bobby und Babette. Irgendwie Englisch angepisst in der Gesichtsmimik, ein bisschen unsicher und sich der Tatsache bewusst, dass sie mit Ihren lächerlichen Mützen ein prima Ziel für die Bösetuer abgeben. Und die Jungspunte vom Scotland Yard sind auch nicht zu übersehen: Sie tragen Sonnenbrillen in dunklen U-Bahnhallen, extrem korrekte Kleidung und besprechen alle paar Minuten die Lage der Nation mit ihrem Handgelenk. Sie sollten es mal mit Bluetooth Ohrerweiterungen versuchenn wenn sie diskret und unauffällig sein wollen, das tragen hier nämlich viele. Naja, Bus und Bahn sicher wie nie. Wer es sich Leisten kann fliegt erst mal in den Urlaub oder wandert aus. Denn der Sommer ist nun laut den Zeitungen offiziell vorbei. Was die hier Sommer nennen, haben wir in zwei Wochen April abgesessen. Wer derzeit trotz allem den Drang verfügt nach London zu ziehen findet jedenfalls Arbeit: Die „Industrial Rope Access Trade Association“ bildet Abseilers aus. Ein Abseiler ist eine Reinigungsfachkraft für die oberen Stockwerke. Aussen, versteht sich. Na gut, ich werde jetzt erst mal meine Wäsche aufseilen.

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