Gauze Pads & Rolls

Heute hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem Englischen Gesundheitswesen. Also rein in die and den Discounter ASDA angeschlossene Apotheke und „Sterile Woundpads“ gesucht.

In der 30 Minuten langes Session ist so viel passiert, dass ich mir erst mal den Gesetzestext gegoogelt habe:

The Health and Safety (First Aid) Regulations 1981

Regulation 3, Point 27: „Employers should review their first-aid needs from time to time "¦ to ensure that the provision remains appropriate“
REGULATION 3 Point 29: „Every employer should provide for each work site at least one first-aid container supplied with a sufficient quantity of first-aid materials suitable for the particular circumstances.“
REGULATION 3, Point 32: „The contents of first-aid containers should be examined frequently and should be restocked as soon as possible after use "¦“

Also kurz gesagt: Der Verantwortliche muss immer sicherstellen, dass „irgendwie genug“ Verbandzeug da ist. Und das ist hier eine sehr elastische Aussage.
Nun ja, wie von zu Hause gewohnthabe ich dann eine „Apotheke“ gesucht. Wo Apo draufsteht ist auch Apo drin. Nicht so in England. Ich fand einen bunten Krämerladen mit Muskelfluid und künstlichem Zucker aber keine Verbandpäckchen. Versuche nie, einer Londoner Apothekenfachangestellten einen Wundverband zu entlocken. Wer kennt sie nicht, die Mullbinde mit 12×12 cm sterilem Wattepäuschchen dran. Ich bekam verschiedene Pflastersorten vorgestellt und traf auf extrem viel Unverständnis obwohl ich mir vorher die nötigen Begriffe angeeignet hatte. Nach 10 Minuten vergeblicher Kommunikation habe ich dann bemerkt, dass die Dame im weissen Kittel eine Visualisations-Session benötigt und mich daraufhin aus der Jacke gequält um ihr meinen aktuellen Verband zu zeigen. „OK, this is what I need, after you have visualized, could you please check your stock for me?“ Sie checkte das Lägerchen, so lange bis die Chefin Verdacht schöpfte. Also…. dann das gleiche nochmal mit der Chefin inclusive -wer hätte das gedacht- „visualizing“. Sie kam dann mit einer 5×5 cm Wundauflage an. Schon mal gar net schlecht fürn‘ Anfang. Ob sie es vielleicht grösser hat? Sie hat.Vielleicht. Dauert nur etwas. Als sie sich dann in Bestellbücher vertiefen musste, dachte ich es sein eine gute Idee doch einfach ein paar kleine Auflagen und Mullbinden zu kaufen. Mullbinden…….? OK, hier dachte ich: „Wo ist die versteckte Kamera?“. Das gleiche Drama, ich bat dann um den Erste Hilfe Kasten um weiter zu visualisieren. Sie wusste nicht, ob die Apotheke so etwas hat. Ich kam mit den Worten „Health and Safety“ auf, was für Gewerbetreibende so attraktiv ist wie Steuerprüfung. Das Erste Hilfe Köfferchen kam dann also an und siehe: zu 50% leer. Mullbinden waren noch zwei drin und auch mein gewünschter Wundverband: Von früheren Demonstrationszwecken offen und halb ausgerollt. Und ja, sie sagte grosszügig: „You can have this one if you like“. For free, versteht sich. „Och, nein danke, ich hab sie gern frisch“

Das muss man nun mal von einem weltpolitischen Sicherheitsstandpunkt aus betrachten: Eine Apotheke, die in Zeiten des internationalen Terrorismus keine Wundverbände führt! Nichts! Nicht mal Erste Hilfe Kissen. Nachdem ich den eilig beschafften, hautbraunen Beinkompressionsverband dankend abgelehnt hatte, fand ich dass es Zeit war zu gehen. Ich habe dann zum Abschied noch ein Foto gemacht, ein halb leerer Erste Hilfe Kasten einer lizenzierten Apoteke des Englischen Königreiches.
Ich fragte dann zwecks Verbandwechsel meine Mitbewohner. Zwei Autos, kein Erste Hilfe Kasten. Nein, ich wohne nicht in einem Slum. Ich wohne in London.
Und ich mag DIN Normen. Verbandkasten für verschiedene Einsatzgebiete, Inhaltsverzeichnis, Apotheke, auffüllen, Klasse!

Das Foto folgt hoffentlich bald, die Motorola Software hat beschlossen, dass es das mitgelieferte Telefon nicht erkennen kann. Ging die ganze Zeit, geht nun nicht mehr. Sogar die Telefonsoftware hat neue Vorschriften in den Zeiten des internationalen Terrorismus. Naja, in einem Land in dem man innerhalb einer Woche die sofortige Todesstrafe bei Verdacht bzw. Steppwestenmissbrauch in Sommerzeiten durchbringt, ist das ja gar nichts.

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