Herr, lass Hirn regnen…..

Das lange Darben hat sich gelohnt, liebe Leserinnen und Leser. Ich muss zugeben, dass ich auch stinkefaul war. Nach 8-10 Stunden vor dem Monitor habe ich so gar keine Lust mich zu Hause auch noch vor den Rechner zu setzen.
Nun, kommt Zeit, kommt Schrat. Heute war ein schoener Tag und ich bereitete mich nach einer Woche Schweizer Schneemassen auf die Abreise vor.

Wie immer grosszuegig mit der Zeit umgegangen und noch schnell einen Kaffee beim Onkel in den Kopf laufen lassen. In der S-Bahn Richtung Frankfurt Flughafen dann mal auf die Idee gekommen meine Abflugzeit zu checken, die ich ja 'sicher“ in meinem internen Kohlenstoffspeicher abgelegt hatte….wer mein zartes Gespuer fuer Zeit kennt, kann es sich schon denken. Die schreckliche Wirklichkeit: Abflug um 18:15 und nicht wie gedacht um 18:55, KREISCH! Koerpereigene Kneippkur in heiss-kalt aktiviert und das Hirn mit der Notloesungsdiskette rebootet. Am Hauptbahnhof umsteigen, S-Bahn zum Flughafen, in 20 Minuten…nee nee nee….es gab nur eine Loesung: Offenbach Ost! Also raus aus der Bahn und runter an den Taxistand. Es war 17:10 Uhr, kein Taxi weit und breit. Auch kein Schild mit einer Nummer. Nix. Aber einen Taxistand fuer 10 Autos. Offenbach Ost. Als ich den Flug gegen 17:15 schon wieder abgeschrieben hatte, kam endlich die Erloesung in Form eines beigefarbenen Automobils. Urinstinkte uebermannten mich, meins, meins, meins, wo ist mein Speer, wo sind die Feinde? Keine Feinde weit und breit, der Taxifahrer sprach die magischen Worte: „Ei so swansisch Minuud dauerd des halt schon, gell.“ Konkret, Alder. Sattel die Huehner. Ich machte ihm klar warum es um die Rindswurst ging und er fuhr los. Der Verkehr war unerbittlich, das Taxameter auch. Ich machte ab 25,50 Euro deutlich, dass ich ihm den Rest nur in Englischen Pfund bezahlen koenne, was ihn ein wenig verunsicherte…Als der Wechselkurs „1:1“ geklaert wurde, war dann alles ok. Lufthansa, Terminal 1, 17:49 Uhr…..die Frisur sitzt, die Schlange fuer das naechste Flugzeug steht. Habe mich darauf kurzerhand entschlossen, als First Class Passagier anzuheuern. Der Schalter war leer und ich hoffte auf Service – und der kam. Als ich der netten Dame die Umstaende schilderte, pruefte sie auch schon multitaskingmaessig die Gepaeckannahmezeit. Und Achtung: EINE Minute vor dem computergesteuerten rien ne vas plus hat sie mir noch den magic Multipass ausgedruckt. Im Eiltempo dann ab zum Gate, alles wird gut, es ist 17:55, die Lage scheint unter Kontrolle. Erster Security Check mit den ueblichen Problemen durchlaufen: Vier Flaschen Weihnachtsbock, den mir der Onkel E. kurz vor dem Flug aus Aschaffenburg importiert hat, „och, noch schoen kalt“ wie der Security Typ bemerkte. Den selbstgebrauten Met in der sicherheitstechnisch auffaelligsten Flasche sowie einige Kleinfressalien und das Laptop nebst Zubehoer. Ausgehende Fluege nach UK und USA werden doppelt gecheckt. In der zweiten Kontrolle, mittlerweile war es 18:05 Uhr, geriet ich dann an aktive Mitglieder der Verbrechenspraeventionsbuergerwehr „Deutsche Gruendlichkeit e.V.“.
Auf so einen haben sie gerade gewartet. Schichtende, aber die Lufthaensel sagten „Da kommt noch einer auf das Gate….“

Zuegig eingelaufen und trotzdem hoeflich „Guden Aaabend, bitte den Rucksack nicht legen. Da sind Getraenke drin.“ gesagt. Sie legte ihn. Sie legt auch gerne Maenner um. Sie trug eine zu enge „Sicherheitsdienst Schlachmichdoof“ Uniform ueber ihrem Waschbrettbauch im Speckmantel, auf dem Halsfortsatz thronte ein extrem ueberschminktes Gesicht. Und haette man Ihr eine Waffe gegeben, sie haette mich erschossen. Da praeventive Sofortexekutionen in deutschen Flughaefen noch nicht ganz durch das Terrorgesetz erlaubt sind, knetete sie mir einen lecker Muerbemacher Teig: „Sagen Sie mir nicht wie ich zu arbeiten habe.“ und langte dabei an den feuchten Rucksack, den ich wieder aufrecht hingestellt hatte. Dann wusste ich irgendwie was kommt. Ich: „Ja wie gesagt, da sind Getraenke drin und ein bisschen Sprudel ist schon bei der letzten Aktion da vorne ausgelaufen. Sie wissen schon, Kohlensaeure in Plastikflaschen. Shakeshake. Ich habe bei Ihren Kollegen schon alles auspacken muessen, ich denke mal ich bin clean. Vielleicht koennen Sie sie ja kurz anrufen und fragen, ich verpasse naemlich gerade meinen Flug.“ Sie, von Saeure und bunten, elektrischen Kabeln ueberfallen: „So nicht mein Herr. Was ist das?“ Ich: „Ummmm…ein blaues CAT5e Netzwerkkabel?“ Das war ihr suspekt. In Zeiten der WirelessAOLichbinjaschonwer Werbung zwischen den Gerichtssendungen kommt da einer und behauptet, er habe ein Kaettfaifieh Netzwerkkabel. Ich beschloss es Ihr zu schenken, als seltenes Relikt der Steinzeit anpreisend. Wertvoll auf Ebay. Ich hab noch welche. Wenn’s nur daran liegt, dass ich meinen Flug bekomme…. Sie wollte es noch einmal genauer wissen und schickte die 100 cm Netzwerkkabel, in einer grauen Plastikwanne isoliert, erneut durch den Scanner. Ich glaube das dies das weltweit erste Netzwerkkabel war, das gesondert gescannt wurde. Danach das Ladekabel. „Herr Kollege, das Ding braucht eine Spezialkontrolle!“ [sic!] Ich wusste fuer einen Moment nicht ob sie das Ladekabel oder mich meinte. Also das Ladekabel, Glueck gehabt. Der Herr Kollege kam leicht devot angeschnarrt und hatte einen sehr futuristisch anmutenden Klebestreifen dabei. Er klebte ihn auf das Netzteil, zog ihn wieder ab und steckte den Streifen in eine Art Lesegeraet. Als der Monitor dann stumm kundgab, dass wohl keine Plastiksprengstoff Feinstaubteilchen am Apfelkabel haengen, durfte ich mich nach einer weiteren Schilderung der Lage der Nation um 18:11 Uhr trollen. Die Hanseaten haben schon zu dritt auf mich gewartet und stiessen mich nach einer finalen Kontrolle, Boarding Card und Ausweis, in den Bus. Um 18:15 Uhr war ich am Flieger und alles war gut. In London angekommen wartete ich dann drei lange Flieger lang auf meinen Rucksack. Nix. Also in die Gepaeckermittlung und eine detaillierte Beschreibung abgegeben. Gruen. Nylon. Rucksackform. Er ist noch in Frankfurt. Wenn sie ihn oeffnen -und sie werden in oeffnen, das habe ich im Urin- wird sich ihnen ein surrealer Anblick bieten: Mufflige Unterwaesche aus einer Woche Snowboardurlaub, stark riechender Kaese aus Samnaun, zwei Laib frisches Krustenbrot, Apfelessig, Schinken und Senf. Eigentlich ganz ok. Legitim. Ich glaube ich bin einfach in eine Anti-Terror Uebung im Rahmen einer IHK Abschlusspruefung fuer Werkschutzfachkraefte geraten. Sie werden alles drin lassen und einen Adler drauf kleben. Und ich werde meine Fressalien morgen nebst Rucksack von Lufthansa frei Haus geliefert bekommen. Ich durfte mir die Lieferzeit aussuchen. Danke. Und wehe nicht. Bei Futter hoert der Spass auf. So weit der Bericht aus den Hauptstadtstudio.

Dieser Beitrag wurde unter Sache, (die wo) passiern (tun) veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Herr, lass Hirn regnen…..

  1. hannelore sagt:

    Hallo Alder,
    dachte Du haettest Dich gebessert, nachdem Du im Skigebiet immer die Mittagshuette gefunden hast und fast puenktlich zur Pause gekommen bist. Aber Dein Rueckflug laesst mich in Abgruende blicken! Was macht der Kaes aus dem Rucksack, ist er zum Wunschtermin eingetroffen?
    Viele Gruesse
    Hanne

Schreibe einen Kommentar