Ilse und das Fratzenbuch

Liebe Ilse. Ich habe gehört, dass du aus Facebook austreten möchtest. Schon das wievielte mal? Naja, ist ja eigentlich auch völlig wumpe. Scheint wohl niemanden zu interessieren, sonst hätte das Echo gewaltiger gehallt. Verbraucherschutz ist eine deiner Missionen Gottes, Ilse Aigner, du schützt Verbraucher vor dem wahrhaftig Bösen.

Aber wie hast du dir das nur mit Facebook vorgestellt? Warst du schon mal in Amerika? Das ist nämlich kein Aussenbezirk von Berlin, weisst du. Es ist ein grosses Land, weit weg von deinem Taubenzüchterschiss auf der grossen Christlich Sozialen Weltscheibe. Schau, Facebook hat 400 Millionen Mitglieder. Dein Personal im deutschen "Bürgerbook" setzt sich derzeit aus nicht mal 82 Millionen zusammen. Und von denen können viele noch nicht oder nicht mehr schreiben, lesen oder gar denken. Geschweige denn einen Computer benutzen. Es wäre also sehr schön, wenn du deine Zeit etwas produktiver verbringst, zumal ich ja dein Kunde bin. Ich specke mir deine „Diät“ ja quasi von meinen Rippchen ab, ne. Apropos Kohle: Wie willst du denn die von dir angedrohte Geldstrafe von Facebook eintreiben? Zahlt das der Zuckerberg dann per PayPal? e-Gold? Oder wie?

Na wie auch immer…. wenn du dich zur Abwechslung also mal proaktiv in die Gesellschaft einbringen möchtest, hätte ich eine kleine Liste mit Beispielen für dich. Denn nicht nur in Facebook steht die unbequeme Wahrheit im Kleingedruckten versteckt, auch deine Verbraucher zu Hause im ganz realen Leben werden verarscht:

* Wenn ich eine Packung „Leichte Putenwurst“ mit einer schlanken, sich auf dem Plastikdeckel räklenden Fittness-Ische mit straffen Brüsten kaufe und dann auf der Packung im kleingedruckten „Schweinefleisch“ finde, fühle ich mich ein wenig verhohnepiepelt und fordere deinen Schutz.

* Wenn das Stornieren meines Fluges bei einer grossen deutschen Airline 46,00 Euro Bearbeitungsgebühren kostet, obwohl ich selbst online die Arbeit erledige und dann noch drei Monate auf mein Geld warten muss, finde ich das höchst verbraucherunfreundlich.

* Wenn mich der Austritt aus einer kriminellen religiösen Vereinigung, die zu allem Überdruss auch noch die Schutzgelder von euch eintreiben lässt, glatte € 25.00 kostet, finde ich das höchst fragwürdig und fühle mich als Verbraucher nicht nur ungeschützt sondern auch sexuell belästigt, wollen die doch wissen warum ich den Verein verlassen will.

* Die gleichen Amtspiepen geben unterdessen munter Daten unwissender Bürger aus eurer „Bürgerbook“ Datenbank weiter, um sie für Wahlwerbung etc. zu verwursten. Ääh…Datenschutz? Verbraucherschutz?

Gleich kommt der ICE Wagenabschnittswärter und verlangt meine Fahrkarte, meine Kreditkarte, meine Bahnkarte und meinen „Amtlichen Lichtbildausweis“. Ich glaube so viel Identitätsnachweise braucht man sonst nur um in den Iran einreisen zu dürfen. Für ’ne Bahnfahrt ganz schön Verbraucherfeindlich, was macht dieser schwitzende,“FAAKAATENGONDROLLÄ“ schreiende Wurzelsepp nur mit all meinen Daten? Wie unangenehm. Und ungeschützt.

Ja, so ist das alles da draussen. Fairnesshalber gebe ich dir ja Recht was Facebook angeht. Aber hey, das Internet ist keine Deutsche Autobahn. Und "Fratzenbücher" sind heutzutage überall:  "Wer Kennt Wen" (welches ja dem für Bürgernähe und Datenschutz bekannten RTL Konzern gehört), MySpace, StudiVZ, CSU Mitgliederliste und wie sie alle heissen.

Lese und Lerne, Ilse: Das Problem sitzt stets vor dem Monitor und nicht im Internet. Oder wie die Internet-Druiden sagen: PEBCAK, Problem Exists Between Chair And Keyboard.

Nur in Deutschland ist das ab und zu anders. Da sitzen Problembärchis gerne dicht gedrängt im Parlament, der eine sabbelt, der andere pennt. Ab und zu kommt einer gerennt, und weckt den, der pennt, weil gerad" sein Sattel brennt….

So ist das im Marionettenspiel der Wirtschaft. Ihr seid die Spiele, wir euer Brot. Oder um meinen Hohepriester Dieter Hildebrandt zu zitieren:

"Politik ist nur der Spielraum, den die Wirtschaft ihr läßt."

Also, bitte nie den Respekt verlieren und immer schön Bürgernah bleiben, denn was interessiert mich Facebook in Amerika. Du als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hast genug zu Hause zu tun. Mit freundlichen Grüßen aus Hessen! (Wo der Roland bald wieder brutalstmöglich zu Hause kocht, harr,harr!)

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2 Kommentare zu Ilse und das Fratzenbuch

  1. Dieter sagt:

    Ist die Ilse nicht auch nur eine Lusche im Dienste der Lebensmittelindustrie?

    Hier ein Interview mit einem Lebensmittelchemiker:

    http://www.stern.de/wissen/ernaehrung/lebensmittel-zusatzstoffe-ein-paar-kruemel-fleisch-der-rest-glutamat-582396.html

  2. andre sagt:

    Sehr gut, hätte von mir sein können: „In der Werbung tut man so, als würde etwa Milch von Alm-Öhi und Heidi gemolken, dann von Mönchen durch Streicheln in Käse umgewandelt und mit dem Pferdefuhrwerk zum Aldi gefahren. (…) Schließlich ist auch guter Waldhonig letztlich nichts anderes als von Bienen hervorgewürgte Läusekacke.
    Allerdings habe ich hier eine Antwort darauf:
    Ich verstehe übrigens nicht, warum Unternehmen den Amerikanern erklären, wie ihre Lebensmittel zusammengesetzt sind, aber offenbar der Meinung sind, dass die Deutschen zu blöd dafür sind.“ Nein, ich denke die Masse der Amerikaner ist zu blöd. Wenn die Industrie den Deutschen die Wahrheit aufs Päckchen drucken würde….es gäbe keine Kunden mehr. Dem Großteil der Amis ist das recht egal, die wenigen mit Verstand ernähren sich ohnehin bewusst.

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