Im kühlen Norden

hamburgEs gibt ja nicht viel was der Hesse vermisst. Wir haben den Äppler erfunden, die Grüne Soße kreiert und ganz nebenbei den geografischen europäischen Mittelpunkt in Gelnhausen geparkt. Jeder halt wie er kann, gell. Landschaftlich reizvoll wohnt der Hesse, sanft wiegen sich die Streuobstbäume im Wind und schaukeln dem Schorsch sei Gödderdröbbsche ins gerippte Glas. Vielfach finden sich die typischen Biergärten, welche zusammen mit der Klimagunst für eine rundum befriedigende Atmosphäre sorgen. Rundum befriedigend? Nein, nicht ganz.

Ich wollte spät abends mal eben Cocktails mixen und stiess im Rodgau auf meine Grenzen: Wo zum Henker bekomme ich jetzt Eis her?

Eis? Ja genau. Allgemeinen auch als gefrorenes Wasser bezeichnet, welches "“ neben flüssigem Wasser und Wasserdampf "“ dessen dritten möglichen Aggregatzustand darstellt. Es bildet sich im Allgemeinen bei Null Grad Celsius und zählt als natürlich vorkommender kristalliner Festkörper, mit dem sich vorzüglich Longdrinks, Flaschen und ganze Bierkisten kühlen lassen.

Schon die ollen Römer nutzten Eis zur Kühlung von Speisen und zur Herstellung von Getränken und selbst unsere Grosseltern kennen noch den Eismann. Der brachte Eisblöcke, mittels derer Nahrungsmittel länger frisch gehalten werden konnten.

Beflügelt von der Idee frisches Eis zu erbeuten erforschte ich instinktiv den Norden der Republik und wurde in Hamburg fündig! Und nun haltet euch fest liebe Leser, es gibt in Hamburg EISAUTOMATEN! Jawoll! Wie bei uns der Kippenautomat an der Ecke hängt, steht in der Hansestadt hier und da ein Eisautomat. Majestätische Boliden aus zart-matt geschliffenem CNS-VK-Stahl zieren die Strassen und versorgen pro Einheit die Hanseaten jeden Tag mit bis zu 445kg frischem „Crushed Ice“. Geld rein, Tüte drunter, Eis raus. So einfach kann die Kühlung sein. Sehr sympathisch, diese Hamburger! Ein Kurzbericht:

Wie wir Hessen sind auch die Hanseaten ein sehr eigenes Völkchen: Sie haben neben den üblichen Macken auch ihre eigenen Sprachen, die ausser ihnen selbst natürlich kein Mensch rafft. Eine der ältesten ist die so genannte „Ketelkloppersprook“, die nur von Eingeweihten verstanden wurde, eine Geheimsprache aus dem Hamburger Hafen. Allzu gerne würde ich mal einen Trupp Hamburger Fischersmänner und einen Odenwälder Runkelrübenbauernverein auf einen Kennenlernurlaub schicken. Ketelklopper meets Bambelschnuut. Eines der letzten Abenteuer der Menschheit.

Abgesehen von totem Fisch mag der Hanseat lebende Schwäne gern. Als lebende Wahrzeichen Hamburgs schmücken die Alsterschwäne Binnen- und Außenalster. Seit 1664 sind sie sogar unter besonderen Schutz gestellt: es war damals bei bei Strafe verboten die Vögel zu „beleidigen“, zu verletzen oder zu töten. Seit 1818 sorgt sogar ein extra von der Stadt bereitgestellter „Schwanenvater“ für die Tiere. Er versorgt sie mit Futter, kümmert sich um verletzte Tiere und bringt sie im Winter auf den eigens für sie eisfrei gehaltenen Mühlenteich in Eppendorf. Mit viel Tamtam werden wie verwöhnten Flattermänner im Frühjahr dann wieder ausgesetzt. Da lob‘ ich mir unsern Gaddezwersch, der macht weniger Arbeit und schnattert net.

Der gemeine Hamburger wohnt übrigens in lustigen Strassen: der „Irrweg“, die „Milchstraße“ und die „Rutschbahn“ sind genau so vertreten wie der „Duschweg“, das „Schulterblatt“ und der „Ellenbogen“. Wer genau im „Leichenweg“ und dem „Wurmsweg“ wohnt weiss ich nicht aber -ultrakrass Alder- es gibt eine „Döhnerstraße“. Ob die direkt über die „Speckstraße“ und die „Fettstraße“ in die „Frustbergstraße“ mündet, konnte ich allerdings nicht herausfinden.

„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ geht jedenfalls wirklich die Post ab während bei uns in Alt-Sachsenhausen die Bürgersteige hochgeklappt werden. Die kleinste Straße Hamburgs, die Herbertstraße, lädt den späten Flaneur auf etwa 60 Metern gut sichtbar zum Schäferstündchen ein und ist deshalb zu beiden Seiten durch eine Sichtbarriere abgegrenzt. Ordentlich.

Jou. So is das in Hamburch. Aber eines beschäftigt mich nun doch noch sehr: Im Rahmen eines „lockereren Klönschnacks“ mit einer reizenden Hamburger Dame wurde ich darauf hingewiesen, dass die Hessen wohl etwas einfacher gestrickt sein müssen"¦.wieso? Nun, die Begründung dieser These fundiert auf einer gar nicht so unklugen Beobachtung meiner Hamburger Forscherkollegin:

Du, sach ma, warum tönt bei euch Frankfurtern die Stimme in der S-Bahn eigentlich immer was von wegen „Ausstieg in Fahrtrichtung links“ bzw. „rechts“??? Seid ihr allen Ernstes so doof, dass ihr nicht wisst, dass die Bahn in Fahrtrichtung fährt oder was? Muss man euch das wirklich vor jedem Halt erklären damit ihr nich‘ jedesmal gegen die Glastür rennt???

Mannomann. Wo sie recht hat, hat sie recht. Ich werde jedenfalls dem RMV mal eine E-Mail schreiben und die genauen Hintergründe erfragen. Falls von euch jemand eine Idee hat warum das so ist freue ich mich über jeden Hinweis. Bis dahin: Tschüs! (Das Wort kommt aus Hamburg!)

Dieser Beitrag wurde unter Sache, (die wo) passiern (tun) veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Im kühlen Norden

  1. Hummel, Hummel – Mors, Mors!

    Freut mich, dass du einen Ausflug in den Norden ueberstanden, und dich anscheinend haldbwegs eingelebt hast.
    Gude!

    Yvonne

  2. Dieter sagt:

    Wer weiss, was die „Forscherkollegin“ eigentlich sagen wollte.

    Dazu folgendes:

    lichtung

    manche meinen
    lechts und rinks
    kann man nicht velwechsern
    werch ein illtum

    (Ernst Jandl)

    Folgendes Bild habe ich auf einem Blog gefunden, auf dem das Problem allen Ernstes diskutiert wird:

    http://www.bahn-spass.de/wp-content/myfotos/comics/ausstieglinks.jpg

    Grüße

Schreibe einen Kommentar