Public Vuvuzeling

Die Tröte heisst jetzt Vuvuzela und besoffenes Rudelglotzen nennt sich Public Viewing. Willkommen zur Weltmeisterschaft, dem offiziellen Ausrasttermin der Deutschen Fussball-Adilettanten.

Wie ihr sicher schon wisst, haben Fussballveranstaltungen eine ähnliche Wirkung auf mich wie eine gegrillte Scheibe Schweineschwarte auf den Muslim. Ich bin natürlich aufgrund der hiesigen Gesetzeslage zu einer gewissen Grundakzeptanz gezwungen und harre somit friedlich und tapfer dem Endspiel das da kommt. Ein paar Dinge sind jedoch neu für mich und ich lausche und wundere mich zum Beispiel über…..

Die Vuvuzela.

Vom Buschmann als Elefantenschreck erfunden, teilt die schrottige Plastiktrompete ganze Fussballnationen. Man unterscheidet nicht mehr nach Landeszugehörigkeit, sondern nach Pro Vuvuzela und Contra Vuvuzela. Während die Befürworter des Blasinstrumentes den künstlich generierten Elefantenfurz zu einem Symbol des südafrikanischen Fußballs machen und jegliche Kritik in Deutschen Internetforen als "Kleinkariert", "Typisch Deutsch" und sogar "Rassistisch" abstempeln, hat South African Airways bereits darauf hingewiesen, dass das Lärmen mit einer Vuvuzela während eines Inlandsfluges durch Südafrika gegen das Gesetz verstößt und mit einer bis zu sechsmonatigen Gefängnishaft bestraft werden kann. Tradition hin oder her, der Schalldruckpegel von 120 dB(A) ist wahrlich kein Pappenstiel und erzeugt bereits bei kurzfristiger Einwirkung Gehörschäden.

In Deutschland wird die Plastik-Wuwu (Ein Schelm ist, wer das W umdreht…) natürlich erst einmal wichtigen Tests unterzogen, um sie dann technisch optimiert unter das Volk zu werfen. "The German Efficiency" geht mal wieder so weit, dass sogar der Baguettesender FRANCE 24 TV einen Bericht auf seinem "English Channel" über die schallgedämpfte WuWu Made in Germany sendet:

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Ich sehe die WuWu primär als Phallussymbol des Adilettenträgers, der mit seinen drei Promille fest daran glaubt, die natürliche Zuchtwahl der Adinetten, wie die gemeine Fussball-Ische auch genannt wird, positiv beeinflussen zu können. In Realität bezeichnet der röhrende Plastikphallus jedoch nicht das Geschlechtsorgan des WuWuzelisten, sondern steht viel mehr als Zeichen für kollektive Kastrationsangst: "Wir haben verloren"

Positiv an dem ganzen Getröte ist jedoch, dass die ganzen Vollspacken beim Blasen wenigstens die lallende Bierklappe halten müssen.

Public Viewing –  Wer hat"s erfunden?

Was die wenigsten Neusprech-Hipster wissen: Die Geschichte des Public Viewing begann 1936 unter unserer österreichischen Leiharbeiterpleite, dem Herrn Hitler. Die Zahl der privaten Reichsglotzen war so gering, dass allein in Berlin 25 Fernsehstuben eingerichtet wurden. Hier konnte das Volk, gegen Zahlung von Eintritt, der Olympiade im "Fernsehsender Paul Nipkow" folgen. Der deutsche Fernsehsender "Paul Nipkow", benannt nach dem gleichnamigen Erfinder der Urglotze, war übrigens der weltweit erste Fernsehsender. Mit einem Großaufgebot von Fernsehkameras wurde quasi live von den Berliner Sportveranstaltungen berichtet. Die Fernsehstuben boten zusätzlich zum Fernsehprogramm auch einen Bildtelefondienst an, bei dem aus Telefonzellen heraus Ferngespräche mit Bildschirmsicht des Gesprächspartners geführt werden konnten. Das ReichsPad war somit geboren und Steve Jobs versucht uns heute das iPad als Revolution  zu verkaufen….büschn spät, wa Steve?

Aber zurück zum Public Viewing.

Das kollektive Mitverfolgen von identitätsstiftenden Großereignissen im Kreise unbekannter Gleichgesinnter hat meiner Meinung nach schon etwas von einem Swingerclub: Man teilt gemeinsam simultan entstehende Emotionen, schwitzt, reibt sich an fremden Körpern, umarmt und küsst Unbekannte…nur auf dem Plasmabildschirm läuft eben Fussball statt Porno.

Auch pubertierende Jugendliche, die ihre aus Mangel an Selbstvertrauen entsprungene Furchtsamkeit in lächerlichem Benehmen manifestieren, haben nun ihre ganz große Stunde. Mit hochroter Pickelfratze ziehen sie durch Dorf und Stadt, getrübt der Blick, gedämpft das Hirn. Dazu viel billiger Fusel und keine Frauen. "Alder. Isch schwör. Die WM war so krass. Wir waren voll die Chica-Checker, ey!"

Während einer Fussball WM kann man immer wieder sehr schön erkennen, dass Doofheit nicht aus der Mode kommt. Je flacher die Hirne, desto weiter erscheint ihnen ihr eigener Horizont. Ab und zu neue Klamotten für den Event und fertig ist die beste Zeit für Politiker. Man darf gespannt sein was die Volkszertreter dieses Jahr so alles im Schutzdunst des Volksereignisses heimlich, still und leise beschliessen. Denn auf eines ist wie immer Verlass: Die BILD bellt Fussball!

Friedrich Schiller sagte schon "Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens." Also was soll ich mich noch weiter aufregen. Wer hat ein Bier für mich? Wer spielt? Was war nochmal Abseits?

Zum Abschluss möchte ich mich heute in Anlehnung an die Worte der ersten Ansagerin des deutschen Fernsehens, Frau Ursula Patzschke-Beutel, verabschieden:

"Hiermit beendet der Webseitenprogrammbetrieb der Reichssendeleitung sein heutiges Unterhaltungsprogramm. Waren Sie zufrieden? Wenn ja, sagen Sie es bitte allen Ihren Bekannten weiter. Gefiel es Ihnen nicht, sagen Sie es bitte uns. Schreiben Sie dem Webseitenbetrieb der Reichssendeleitung weiter unten. Zum Ausklang des Abends: Marschmusik. Auf Wiedersehen bei der nächsten Sendung. Halli Galli!"

(Obiges Zitat beinhaltet durch den Reichswebseitenleiter geänderte Passagen)

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Ein Kommentar zu Public Vuvuzeling

  1. Franz Fahne sagt:

    INFORMATIONSAUSGABE – STRASSENVERKEHRSAMT – JUNI 2010

    In Deutschland hat sich die Qualität der Pkw- und Lkw-Fahrer deutlich verschlechtert. Aus diesem Grund hat das Straßenverkehrsamt ein neues System eingeführt um die schlechten Fahrer zu identifizieren.

    Mit sofortiger Wirkung werden allen Fahrern, die sich im Straßenverkehr schlecht benehmen – unter anderem durch plötzliches Anhalten, zu dichtem Auffahren, Überholen an gefährlichen Stellen, Abbiegen ohne zu blinken, Drehen auf Hauptstraßen und rechts überholen – Fahnen ausgehändigt. Sie sind rot, mit einem schwarzen Streifen oben und einem gelben Streifen unten. Dadurch sind sie für andere Verkehrsteilnehmer als unfähige Autofahrer zu identifizieren..

    Diese Fahnen werden an der Autotür oder dem Dach befestigt und müssen für alle anderen Verkehrsteilnehmer gut sichtbar sein.

    Fahrer, die eine besonders schwache Leistung gezeigt haben, müssen je eine Fahne auf beiden Seiten ihres Autos befestigen, um auf ihre fehlende Fahrkunst und ihren Mangel an Intelligenz aufmerksam zu machen.

    Bitte an andere Verkehrsteilnehmer weiterleiten, so dass alle die Bedeutung dieser Fahnen verstehen.

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