Schneebrett ohne Kruecken und der Zoll

buendnerfleisch.jpgEin ereignisreicher Urlaub liegt hinter mir. Eine Woche sweet Samnaun, die Schweiz laesst gruessen! Schneebretteln bis zum Umkippen, Jagertee und Lumbumba. (Ja, sie schreiben es mit einem extra B) Feierlich war die Aufnahme in das begehrte „A -Team“, das Team der haertesten, der schnellsten und bestaussehendsten Fahrer des Skigebiets. Ich moechte an dieser Stelle dezent darauf hinweisen, dass ich nur auf einer Kante fahren kann sowie keine Kruecken, pardon, „Skistoecke“ zur Wahrung des Gleichgewichts und der Koordination nutze. Und natuerlich moechte ich auch feststellen, dass das A-Team ausschliesslich aus Skifahrern besteht…gell Herr P. 😉 Das Essen war wie immer sehr lecker und die Schweizer nett. Die Touristen gehen wieder, das Geld bleibt da. Das wuerde mich an ihrer Stelle auch freuen. In die Schweiz zu fahren ist immer wieder Balsam fuer die durch London gestresste Seele. Wer moechte, kann sich hier ein paar Landschaftsbilder ansehen!

Zurueck nach Deutschland. Meine zuverlaessige Raum-Zeit Koordination hat mir beinahe wieder ein paar Urlaubstage mehr verschafft. Ich war extrem ueberzeugt, dass mein Flug erst morgen geht. Wie immer. Onkel E. klaerte mich brutalstmoeglich ueber meinen Irrtum auf: „Guck halt liewer nochemool….Du waasd doch wie’s is, gell…“ Er hatte recht. Dange Ungel!

Nachdem ich einem armen Geschaeftsmann in der Holzclass meinen Fensterplatz (!) ueberlassen hatte (er war so aufgeregt, dass ich ihn nicht verscheuchen wollte) zog ich eine Niete. Man plazierte mich am Notausgang neben einem Menschen der stark riecht. Kein Fenster. Auch nicht zum Gucken. Das ist also der Dank. Na prima. Sehr unfreundlich war er in seinem Baenkerkorsett, er hat sich nicht einmal getraut seinem hochroten Fettkopp ein wenig Linderung durch einfaches lockern der Krawatte zu verschaffen. Er gruesste nicht, sagte nie danke zur Saftschubse und hustete dauernd sehr unappetitlich. Dabei las er natuerlich eine Immobilienzeitschrift. Ja, ich war ganz offensichtlich wieder auf dem Weg zur Insel der Barbaren. Babbkopp. Da hilft auch kein kleinkarierter Ziergalgen um den Hals.

In Heathrow angekommen wartete auch schon ein Begruessungskommittee auf mich, gesandt von der Queen hoechst persoenlich: Her Majesty’s Customs and Revenue also known as „Hasse ma ’ne Maak“ ZOLL! Da das Flugzeug wirklich nur mit Pinguinen voll war, stach ich mit meinem Trekkingrucksack extrem aus der Masse heraus. Aha, osteuropaeischer Einwanderer mit Grippehuhn im Rucksack! Eine Zollbeamtin roch Lunte und verfolgte mich. Ich uebte mich in Ignoranz, da ich meine Kopfhoerer trug und offensichtlich nicht bei meiner Einreise ins Koenigreich gestoert werden wollte. Als sie sich dann aber vor mir aufbaute konnte ich nicht anders als Kommunikation zu ueben. Uebersetzt fuer meine dem Englisch nicht maechtigen Leser hat sich das so abgespielt: „Wo kommen Sie her?“ „Von zu Hause“ „Und wo reisen sie hin?“ Nach Hause!“ (Unglaebiger Blick..) „Und wo ist Ihr zu Hause?“ „In Deutschland!“ „Und wo wohnen Sie hauptsaechlich?“ „In Wembley Park“ „Aha. Zeigen Sie mir mal Ihr Ticket!“ „Ich habe kein Ticket mehr. Das tauscht man vor dem Abflug gegen eine Platzkarte. Und diese liegt natuerlich…auf meinem Platz im Flugzeug, tut mir leid.“ (I am so sorry!) Und warum haben Sie keine Gepaeckidentifizierung an Ihrem Rucksack?“ Weil ich meinen Rucksack kenne. Ich habe ihn auf dem Gepaeckband eindeutig identifiziert und das Pickerl abgemacht. Bin ja schliesslich angekommen.“ „Und warum haben Sie keinen Reisepass, sondern nur das hier?“ (Meinen Ausweis mit zwei spitzen Fingern pinzettierend) „Weil fuer Menschen aus der EU dieses Dokument zum Reisen innerhalb der EU vollkommen ausreicht. Man bekommt auf dem Kontinent schon sehr lange keine Stempel mehr bei Grenzuebertritt, you know. Sie musste nachdenken. Rein theoretisch haette sie mich wieder nach Hause schicken koennen. Denn laut Schengener Abkommen nimmt das Vereinigte Kloetenreich nur eingeschrĂ€nkt teil: Strafverfolgung und polizeiliche Zusammenarbeit ist erlaubt und erwuenscht, es wird aber anscheinend keine Reisefreiheit garantiert. Die Quelle meines Vertraues, das Auswaertige Amt, sagt:

„Das Vereinigte Königreich und Irland wenden nur teilweise das Schengener Abkommen an. Der Ministerrat billigte einen entsprechenden Antrag dieser Staaten zur verstĂ€rkten Zusammenarbeit von Polizei und Justiz in Strafsachen, bei der DrogenbekĂ€mpfung und bei dem Schengener Informationssystem (SIS). Allerdings erfolgte kein Wegfall der Grenzkontrollen.“
Na wie auch immer. Dann endlich die entscheidende Frage: „Haben Sie etwas zu verzollen?“ Nein. Natuerlich nicht. Abgesehen von den drei Barren Buendnerfleisch aus einem nicht EU Land (Todesstrafe mit vorheriger Vollpension am Medienpranger), einem Laib Knoblauch Mutschli Kaese (Biologischer Kampfstoff) und ’nem Liter Absolut Vodka (Ebenfalls ein Kampfstoff)…noe. Hab nur des Kaisers neue Kleider im Rucksack. Ehrlich. Sie sah mir in die Augen. Ich setzte meinen „Koennen solche Augen luegen“ Bullenblick auf, jahrelang mit den Deutschen und Franzoesischen Behoerden trainiert….ja, dann gehen Sie mal weiter. BINGO! Du nimmst mir nicht mein Futter weg, DU NICHT! Mittlerweile bin ich sicher im trauten Heim fuer mittellose Singles ueber dreissig angekommen und darf mir anhoeren, dass „wir eigentlich keinen Vodka trinken“ Ja do lecks‘ mi doch am Oarsch. Um so besser, das trinke ich auch alleine.

Ganz frische, Englische Gruesse sendet Euch
André 🙂

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2 Antworten zu Schneebrett ohne Kruecken und der Zoll

  1. Bernie sagt:

    Gude Andre.

    Hört sich ganz gut an, dein Reisebericht!! Ich hoffe, Du hattest deinen Spaß!

    Ich wollte auf diesem Weg nochmal Danke fĂŒr das sehr nette GeburtstagsstĂ€ndchen aus dem „SkihĂŒtterl“ sagen. Hab‘ gedacht, ich werd‘ „uff de Ärmel genomme“.

    Bleib sauber und sei froh, daß de wieder im Königreich bist!!

    Gude

    de (Metal)Bernd

  2. Ungel E sagt:

    Gude, schnÀkselisch Neffsche !
    Zu Deinem Sitznachbar im Flieger :

    Berufungsprozess
    Verschwitzter Passagier bekommt nun doch Geld

    DĂŒsseldorf – Ein Flugpassagier, der wegen seines strengen Geruchs aus einem Urlaubsflieger geworfen wurde, erhĂ€lt Schadenersatz von der Fluggesellschaft. Das DĂŒsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) entschied am Mittwoch, dass British Airways dem Mann rund 260 Euro fĂŒr eine HotelĂŒbernachtung zahlen muss. Der Passagier hatte nicht von Hawaii zurĂŒck nach DĂŒsseldorf fliegen können, weil sich eine Sitznachbarin ĂŒber den Schweißgeruch des Mannes beklagt hatte.

    UrsprĂŒnglich hatte der KlĂ€ger 2200 Euro Schadenersatz gefordert und vor dem DĂŒsseldorfer Amtsgericht verloren. Den ersten Anlauf zum Berufungsprozess im November verpasste er, weil er im Stau stand. dpa

    Aktenzeichen: 18 U 110/06

    Also…es nĂ€chste mal e passend Naseklammer mitnemme, gell!
    Gruß
    Ungel E

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