Snowboarden in London

SchneeMoin, moin. Wer die Medien studierte weiß: Es war Katastrophe im England. Es hat geschneit.
Stimmung wie nach einem radioaktiven Niederschlag. Schulen öffnen nicht, Reporter mit tiefen Sorgenfalten berichten mit hochrotem Kopf und blau gefrorener Nase vom Grauen das über das Land kam.
Hilflose Menschen wo man hinblickt. Eingesperrt in ihren Häusern, fassungslos vor ihren Autos stehend, alle Hoffnung auf das Empire gesetzt. Das Government wird schon etwas dagegen unternehmen. Ausgelastet scheinen sie wohl nicht zu sein, sonst hätten sie ja nicht überall in der Welt ihre paar Schutztruppen abgestellt. Aber nix, keine Hilfe von oben außer Schnee. Die Bevölkerung schockiert, steif gefroren. Nachdem ich die Transport for London Website gecheckt hatte musste ich feststellen, dass meine Bahnen nicht fahren. Na SO ein Pech aber auch. Ich habe dann Heimarbeit angemeldet, keiner im Geschäft, nur der AB lief. Also los, "Working from home" Datasette rausgekramt und das Tagesprogramm gebootet: Schneemann bauen, Gasse kehren, Frühstücken und BBC Katastrophen-TV glotzen. Dann dem Chef eine E-Mail schicken. Ich arbeite heute von zu Hause. "Working from home…obviously

Working from home

Aber wenigstens kann man wieder mal übers Wetter reden ohne in die Lächerlichkeit abzugleiten. 12cm Schnee sind hier drüben nicht lustig.

Frisch aus der Schweiz kommend, gestählt von -18 Grad (Und da Hammer noch net die gefühlt Demberadur mir drin, gell…) sowie Himalajamaessig ausgerüstet habe ich mich dann auf die Picture-Pirsch gemacht. Zu meinem Erstaunen haben sich einige der Eingeborenen auf die Strassen gewagt um der Chaosbildung ein wenig Nachdruck zu verleihen. Trotz Warnung im TV: "Do better not leave the building!" mahnten da die Medien unisono. In einem engen Land, in dem das Thema Wetter stets auf der selben Wichtigkeitsstufe wie Kasperltheater Downing Street, Klatsch Royal und Frittierfischletten steht, werden solche Meldungen wirklich sehr ernst genommen. Hmmm….ich stelle mir gerade vor wie schön Mallorca oder Prag sein kann wenn man manchen ausländischen Gästen einfach ein paar Warnschilder im Hotel aufstellt. "Bleiben Sie besser im eingefriedeten Hotelbereich. Gefahr durch Sonnenbrand/Kultur/Echtes Bier/Rechtsverkehr/What ever" (Zutreffendes bitte einkreisen)

Ich drifte vom Thema ab….aber man stelle sich das doch mal vor! Die Deutschen noch mit Freibier am Reichspool gehalten, die Engländer durch Ängste schüren im Hotel gehalten (Enge sind sie ja gewohnt) und die Franzosen zum kochen in der Küche eingesperrt. Und die Holländer bleiben freiwillig zu Hause weil sie ja jetzt niemanden mehr zum Ärgern finden können. Hey, der perfekte Urlaub! Die Einwohner haben Stadt, Land, Fluss wieder und man selbst kann einen relativ relaxten Urlaub verbringen. Es ist natürlich möglich vorzusorgen, wie eine mir leider entfallenen Quelle im Internet berichtet: "Machen wir denen einfach die Warnhinweise von allen Produkten ab, das Problem wird sich nach einiger Zeit von selbst lösen" Subtiler Aufruf zum internationalen Terrorismus, isn"t it. Dafür kommt man ja hier derzeit schnell in den Knast. Also: Uffbasse. Nix falsches saache. Wenn des die Terroriste lese…alder, Hausdurchsuchung und alles….

OK, zurück auf die Strasse. Alles eingeschneit, keiner kämpft gegen die gefrorenen Wassermassen…keiner? Doch, einer! Ein ehemaliger Zoowärter trotzte Wetter und Warnung und begab sich selbstlos in die Katastrophenzone.

Zoowaerter

Ich habe noch nie jemanden so effizient Streugut verteilen sehen wie diesen Mann:

Bollenstreu

So ging das den ganzen Weg lang. Überall Elefantenbollen große Haufen. Nicht mal irgendwie mit System platziert. Er war sich anscheinend sicher, dass da später schon noch einer kommt und sich um die Umverteilung kümmert. Kam aber keiner. Bollen lagen heute noch immer rum, leicht zerlaufen aber da. Trocknen lassen, wieder einschippen, fertig! Na dann!!

Und ach, lässiger Porsche Cayenne Fahrer, Outdoorspezialist und Volldepp, wenn man eine offensichtlich mindestens 5 Millimeter dicke, unebene Schicht Eisschnee auf der Frontscheibe placken hat wie ein Alien, sollte man nicht darauf hoffen das sich etwas tut wenn man im den Motor laufen lässt und die Scheibenwischer auf volle Pulle stellt. Wie blöd muss man eigentlich sein? Reicht so was nicht zum Führerscheinentzug? Wenigstens Deutsches-Fahrzeug-Verbot?! Aufgemerkt, Insulaner: Nach Kindergarten und Vorsprung durch Technik empfehle ich euch wärmstens ein neues Wort im Schatz: Eiskratzer! Eiskratzer!!! An ice scraper is a handheld tool for removing frost, ice, and snow from windows, usually on automobiles.

Naja, hier ist jedenfalls wettermässig wieder Ruhe eingekehrt und man kann sich wieder auf wichtigeres konzentrieren. Den Freitag. Obwohl…draußen ist schon wieder Frost und die Nachbarschaft hat, bis auf drei Individuen, noch nie etwas von Schneeräumen gehört. Nicht einmal direkt vor ihrer eigenen Haustuer. Lieber lebensgefährliche Pirouetten auf dem Eis aufführen als mal eigenverantwortlich einen Besen festzuhalten. Freitag nach dem Schneefall: Beinbrüche mit Alkoholvergiftung. Und im Krankenhaus gibt"s die zur Saison passenden Winter-Verwoehn Angebote. Buy a Gipsverband, get a Ausnüchterung for free.
Bissel Après Ski Athmosphäre grad hier. In diesem Sinne: Ski heil, Kontinent!

André 🙂

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3 Antworten zu Snowboarden in London

  1. der teilzeit-film-zombie sagt:

    jaja…ich musste gestern morgen um 6 von Camden Town nach Bromly-By-Bow im east end…durch schicksals fügung war ich sogar nur 5 minuten zu spät. aber die hiesige black metal mafia aus Acton Town hat ne knappe Stunde „severe dely“ gehabt…ES WAR KALT DA!!!

  2. Bernie sagt:

    Gude Andre.

    Genau so hab‘ ich das auch empfunden – die haben eine Panik gemacht, wegen ein paar Zentimeter Schnee. Ich denke, daß ist bei den Inselaffen so im Blut. Scheint die Sonne, isses zu hell, Regnet es, isses zu nass, usw.

    Selbst wenn das Wetter super ist/war, wie letzten Sommer, meckern die drüber – es hätte angeblich die ganze Zeit geregnet – und deshalb haben wir auch Wassernotstand!!

    Ich denke, die haben eine noch schlimmere „Nörgelkultur“ als die Deutschen – und die sind schon schlimm!!

    Das mit dem Cheyenne Fahrer spielt sich aber zu jeder Jahreszeit ab. Im Winter muß man das Auto warm laufen lassen, sonnst kann man ja gar nett Autofahren, wegen der Heizung, usw. Im Sommer muß man das gleiche machen wegen der Klimaanlage (auch wenn’s angeblich immmer regnet..).

    Die sind hier Umweltschutzmäßig mehr als zwanzig Jahre zurück.

    Aber, was willste machen!!! Wir versuchen unseren Teil zu machen (Müll trennen, weniger Autofahren, weniger Energie verschwenden, lokale Produkte kaufen, usw.). Wir haben sogar fest geplant, unsere Haus zu einem „Energy efficient House with A Rating“ zu machen. Das machen wir im Sommer, da isses nett so teuer. Man spart bis zu einem drittel an Energiekosten und wenn man dieses „Energy rating“ nachweisen kann, unterstützt der Staat einen sogar noch beim Erwerb von Solar Panels.

    Ich denke, jeder muß versuchen, seinen eigenen Beitrag zum Umweltschutzleisten. Denn die großen Industriekapitäne (oder Geld- und Machgierige Hyänen – wollte jetzt keine Schimpwörter verwenden) sind die letzten, die von sich aus was ändern.

    Ich habe fertig.

    (Metal)Bernd

  3. Bernie sagt:

    Gude Ambidex 😉

    Du bist ja wirklich endschwer zu erreichbar – oder gar nett!!

    Meld Dich doch mal wieder. Muss mal wieder mit Dir schwetze!!

    Mach et jut.

    de Bernardo

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