Transparentfahren statt schwarzfahren

240px-oyster_card_front.pngHallo liebe Freunde. Mein Name ist Hotzenplotz. Raeuber Hotzenplotz. Und ich bin nun registrierter Inhaber einer RFID gestützten Schnüffelkarte, äh, Oyster Card. Für alle die diese Karte noch nicht kennen: Die Oyster ist eine blaue Plastikarte, die mit einem RFID Funkchip zum berührungslosen Auslesen ausgestattet ist. Quasi ein High Tech Busticket. Mehr nicht. Eigentlich.

Es gibt verschiedene Verwendungsmöglichkeiten:

* Monatskarte
* Ein- oder Mehrtageskarte
* Guthabenkarte (Prepaid)

Transport for London lockt Fahrgäste vor allem mit Einsparungen bei den Tickets: Man kann, nachdem man unglaubliche drei Pfund "Pfand" gezahlt hat, die Oyster Card im Internet oder an Ticketautomaten aufladen. Nach Abschluss einer Fahrt wird einem der berechnete Geldbetrag für die Fahrt abgezogen, insgesamt kostet es aber nie mehr als eine Tageskarte. Einen erheblichen Unterschied zwischen Oyster und den Papiertickets gibt es z.B. bei den Einzelfahrten: £2 kostet beispielsweise eine Busfahrt ohne Oyster, £1 mit Oyster. Auch "two for one" Preise im Kino, Theater oder Restaurant werden angeboten, na, wer will da keine Oyster Card haben!?!

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Eine mit satten Rabatten getarnte Mobilitäts- und Personendatensammlung zur "Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs" also. Ich wart‘ als noch auf die Verbesserungen….. Die Karte enthält die Daten der letzten acht Fahrten, die Transport for London Datenbank allerdings speichert die Reisegeschichte der letzten acht Wochen. Rund 200 mal pro Monat greift die Polizei gezielt im U-Bahn Netz zu, natürlich nicht ohne vorher das TFL Personenprofil gescannt zu haben. Zusammen mit den 6000 CCTV- Kameras in Londons Untergrund kommt man sich langsam vor wie eine Kanalratte auf der Flucht. Warum rege ich mich darüber auf, ich habe doch schliesslich nichts zu verbergen? Also erst einmal finde ich es persönlich einfach unangemessen stinknormale Fahrkarten mit derart detaillierten Personendaten zu versehen. Wenn man genau hinsieht tragen die TFL Angestellten nämlich auch keine Namenschilder. Und wenn man sich einmal erdreistet den £30.000-pro-Jahr-dumm-Rumsteher nach seinem Namen zu fragen werden Sie extrem schnell pampig. Dienstnummer please? No, auch das nicht. Also warum soll ich einer staatlichen Institution verraten wie ich heisse, wann ich geboren wurde und wo ich wie wohne? Was hat das mit einem simplen Busticket zu tun? Nichts. Man wird zwar sektierermässig gedrängt das ellenlange Formular auszufüllen wenn man eine Karte kauft, man muss aber nicht wenn man weiss was man zu sagen hat. ("I am a tourist" zieht immer gut.)

Aber wehe die Karte gibt ihren Geist auf. Nicht das man einfach mit der kaputten Karte zum Schalter geht und die Büttel einem das Guthaben auf eine neue Karte transferieren (was technisch ohne Probleme geht) Nein. Man muss einen Rückerstattungsantrag ausfüllen. Oder sich registrieren, was auf’s selbe rauskommt. Nee, nee, so nicht liebe Insulaner.

Ich hatte einfach wenig Lust auf irgendeiner MI6, Scotland Yard oder sonstigen Datenbank zu landen. Und das tut man zu 100%, egal ob man gut oder böse ist. Und diese Datenbanken werden garantiert nicht nach 8 Wochen gelöscht. Ein Tippfehler des Beamten, ein ähnlicher Name oder die gleiche Nase und schon ist man im Visier und wir erschossen. So bekanntlich schon geschehen. Orwell laesst grüssen. Die Dame vom Kundendienst bestätigte mir im Telefonat bezüglich der Dateschutzbestimmungen meine Vermutung. Auf die Frage hin wer denn so Zugriff auf meine Daten hat sagte sie kurz und knapp "The government and all of it"s organisations, Sir".

Ein Künstlername musste also her, mit möglichst niedrigem Verwechslungspotential. Räuber Hotzenplotz. Das schickt. Flugs die Karte online auf Räuber Hotzenplotz registriert und wieder zum Schalter gedackelt. Und dann die Ernüchterung: "Wie, ich muss immer noch einen Antrag ausfüllen, die Karte ist doch registriert?!" Das nennt sich dann Kundenfreundlich.
Natuerlich muss man den Antrag ausfüllen und brav, trotz erfolgter Registrierung, in Verbindung mit einem "Identitätsnachweis" abgeben. Wie immer in England: Eine auf den eigenen Namen ausgestellte Gas-Wasser-Scheisse Rechnung, den Mietvertrag, den Führerschein oder Du bist niemand. Na toll, £18,60 waren auf meiner Karte als sie beschloss zu sterben, sie läuft offiziell auf einen Held der Kindheit und ich arme Wurst habe die falsche Identität zur Karte.

Alla hopp. Louis der Vierzehnte, die alte Tunte, hat es ja damals auch nicht anders gemacht: Ich habe leicht gefrustet im Büro gesessen und zackig „L’État, c’est moi“ geschrien sowie kurzerhand das Deutsche Reich neu ausgerufen. Ohne gleich allzu übermuetig zu werden, habe ich mir mal für den Anfang den Titel "Abschnittsbevollmächtigter" gegeben. Ein bissel Ostalgie muss sein.

Photoshop, gutes Papier und ein Laminiergeraet. Fertig. Es lebe das Reich, es lebe Grossherzog Ludwig!

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Damit wieder zum Schalter gedackelt und Räuber Hotzenplotz auf den Chip brennen lassen. Ich kann mit ziemlicher Sicherheit behaupten, die erste Deutsche Kinderbuchfigur im Londoner Transportnetz angemeldet zu haben. Mal sehen wann ich dafuer erschossen werde.

Gute N8 Kontinent!

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3 Antworten zu Transparentfahren statt schwarzfahren

  1. dave sagt:

    sinister island monkeys. what’s the matter with good ole fashion fear to get people to part with their freedom? the brits (and most of the rest of the world) do it through discounts, and their people are too busy enjoying their savings and protesting against america to realize that they are selling off their freedom. In all honesty, it’s a neat bit of marketing. First you provide a discount and get a good 85% of the population to sign up out of freewill with a smile, and then you make it mandatory for whatever is left over. Few complaints and full compliance, what a deal!

    Answer from André:

    I fully agree, it is great marketing. Nothing we can do really. Sit, wait and wonder. At they same time they complain about an ID card. And every time I show my ID card they ask me for a Passport. I keep telling them that we do not need a passport in the EU. What’s the EU? They don’t know. They have so no clue over here. As long as the mortgage and credit card can be swapped aroubnd and the warm beer supply chain is working….At the end they will kill me for that, I am sure. He is a Räuber. Kill ‚em all!

  2. snuffles sagt:

    hmmm,
    nur ma so nebenbei:
    beim news agent bekommt man die’Schnueffelkarte’uebrigens ganz
    incognito….
    ?
    steht Dir aber trotzdem gut der ‚Hotzenplotz‘!
    +
    noch viel Spass im unterirdischen Maerchenwald denn…

    Antwort: Stimmt schon, die Karte gibt’s incognito. Interessant wird es ja erst dann wenn man sein Geld von einer defekten „incognito“ Karte zurueck haben will, gell…

  3. Bernie sagt:

    Hättest Dich ja auch „Oberstumrtruppenführer“ nennen können, hihi!! War nur ein Scherz!!

    Hättest dich vielleicht „VP of the educational advisory borad“ nennen sollen, dann hätte man zu Dir aufgeschaut. Oder „I know how to cock“ ODER „If sense were common the English would have it“ oh, des war jetzt aber bös’… hihihihi!!

    By the way – haste meine e-Mail bekommen?

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