Und nun etwas ganz anderes…..

moka.jpg

Das Leben auf der Insel wird manchmal so langweilig, dass es einfach nichts zu berichten gibt außer Banalitäten. Ab und zu passieren Dinge die einem die Sprache derart verschlagen, dass man dann wiederum gar nicht weiß wie man es zu Papier bringen soll. Ich dachte also ich tue mir mal was Gutes und verreise um ein wenig Sonne zu tanken, da das Wetter auf der Insel derzeit seinem Ruf mehr als gerecht wird.

Italia per favore!
Blick vom Gaestezimmer

Blick aus dem Gästezimmer…

Ein paar Freunde aus der Schwermetallbranche sind in ihr Heimatland gezogen um die müden Macho-Massen mit ein wenig Rock zu verzücken. Als offiziellen Auftrag habe ich Bandfotografie gewählt und bin mit den Bands Abgott und Disguise ein wenig auf Tour gegangen, man muss sich ja seinen Aufenthalt irgendwie verdienen. Ich kam in Rom an und schlug mich per Bus und Bahn in das Örtchen Cassino. Wer in Geschichte aufgepasst hat (hoho…) weiß, dass die Schlacht von Cassino, die Vielvölkerschlacht, ein trauriges Highlight des Krieges 1944 war. Die Deutschen Truppen waren zwar in der Gegend Besatzungsurlaub machen, haben sich aber nicht wie von den Alliierten Truppen vermutet in der Abtei Monte Cassino niedergelassen. Da die Abtei kriegstechnisch sehr günstig lag, beschloss man die gute alte Hammermethode anzuwenden. Mehrere hundert Tonnen Bomben fielen über die Moenchshuette her, zerstörten alles außer"¦.die Mönche. Über 250 Menschen mussten allerdings ihr Leben geben, sie hatten Zuflucht in der Festungsgleichen Abtei gesucht aber leider verloren: Sie durften nicht in die unterirdischen Teile, wahrscheinlich wurde dort die Pornosammlung gehortet, wer weiß es schon. Alles in allem aber ein sehr schöner Ort, es wurde Stein für Stein wieder aufgebaut und ist nun die Tour- und Pilgerstätte schlechthin. In der Katholischen Welt kommt diese Abtei direkt nach dem Vatikan in der Wichtigkeitsskala. Bei meinem Besuch habe ich sogar den Cheffe persönlich im fetten Benno ankutschen sehen. Hat jedenfalls ein neckischeres Kleidchen an als "Il Pappa", wie unser Deutscher Kreuzjesuhoschi dort genannt wird.

Monte Cassino

Monte Cassino, ich bin hochgelaufen!

Eine Nacht durften wir tourbedingt in der Stadt Pescara verbringen, eine schwüle und leicht schmutzige Stadt mit viel "mediterranem Charme". Das Konzert wurde überraschend abgesagt, da die örtlichen Behörden in einem Anfall von Exorzismus der Band das Auftrittsrecht entzogen haben. OK, man muss zugeben, dass die Herren, übrigens bis auf einen Engländer alle aus streng katholisch Italienischen Familien stammend, den lieben Herrgott und die ganze Suppe drumherum eher kritisch in Ihren Liedern besingen. Dazu tragen sie KISS maessige Schminke und gleichen eher Zombies als lustigen Musikanten, "Black Metal" nennt man das dann. Nicht ganz so mein Musikstil aber wenn man die Truppe kennt weiß man, dass sie eigentlich ganz normale Leute sind: Ein Programmierer, eine Kriminologin im Dienste ihrer Majestät und zwei diplomierte Musiklehrer, beide jeweils Kinder in der Schule unterrichtend. Antonio, seines Zeichens Rocker und aktives Mitglied der Black Devils, ein internationaler Motorradzuchtverein hörte vom abgesagten Gig und handelte schnell: Trotz Sonntagsruhe schloss er kurzerhand seinen Laden auf und lud die Truppe nebst Fans zum Umtrunk ein. Er hatte die Situation gerettet, die Party ging bis früh morgens und er entließ uns erheitert nach Hause.

dsc_0291.jpg

Eigentlich ganz lieb…..

Wir wurden bandgerecht untergebracht, die auf dem Boden ausgebreitete Decken als Bettersatz nutzend brüteten wir unsere viel zu groß gewordenen Köpfe der mediterranen Mittagssonne entgegen. Zwei doppelte Espressi am Morgen und der Kater geht stiften! Eine Eigenart hatte Pescara übrigens noch auf Lager: Das Wasser wurde in der 122.378 Einwohner Stadt ab Mitternacht für sechs Stunden einfach abgestellt, um Wasser zu sparen wie ich lernen durfte. Keine Klospülung, keine Dusche, kein Wasser. Nix Aqua, jede Nacht. Kaum zu glauben aber wahr. Wieder in Cassino angekommen gab es erst mal fett Essen bei Freunden des gastgebenden Vaters. Mit von der Partie zwei Herren, mitte sechzig, fast ihr ganzes Leben lang FIAT Testfahrer. Ja, auch der Panda wurde getestet und ich musste natürlich die Deutsche Abkürzung "Fehlerhaft In Allen Teilen" zum Besten geben. Man fuhr übrigens Volkswagen in der Familie. FIAT Testfahrer müssen ja wissen warum, ne. Die Mamma della Casa hat derweil eine Leckerei nach der anderen aufgetischt, so stelle ich mir Italien vor. Es war wirklich extrem gut und vieles wird sich demnächst in meiner Küche wieder finden. Als es dann zu Fußball überging musste ich allerdings passen. "Maggde nixe, eh!" Italienisch" Fusseballe isse nur fuere die Italiener, eh!" tröstete mich der Stammesälteste in Deutsch. Er hat mal als Jüngling in einer Dortmunder Eisdiele gearbeitet ☺ Wenn das Thema Fußballabstinenz doch nur mal von den Engländern so locker aufgenommen werden würde…..

Abgesehen davon hatte ich noch eine Menge Spaß da ich mit der Famiglia meiner Freunde, mit denen ich fast eine Woche in einer klassischen Italienischen Villa wohnen durfte. Einige Sachen habe ich gelernt die ich niemandem vorenthalten möchte:
Wie sicher schon jedem bekannt ist, reden die Italiener sehr laut und schnell und egal was sie zu sagen haben, sie sagen es sehr emotionsgeladen. Da sie oft eigentlich nichts zu sagen haben, reden sie umso lauter und emotioneller. Ich war nach der Übersetzung oft erstaunt wie alltägliches nah dem Herzinfarkt kundgetan wird, sehr kreativ und unterhaltsam, man kommt sich oft vor wie in einer dramatischen Oper. Das Essen ist unvergleichbar lecker, die Lebensart ist trotz dem Herzrythmus-störenden Geschnatter extrem entspannt und lebensfroh. Die Männer tragen zu große Sonnenbrillen während sie im dunklen Café sitzen und sich an 20ml starker Koffeinsuppe im Puppenhaustässchen laben. Aber echt gut das Zeug, musste doch glatt eine "Moka" exportieren, wie die Espressobrauerei für den Heimgebrauch genannt wird. Schneller und einfacher als Kaffee zubereitet braucht man davon morgens nur einen oder zwei um einen Gehirnständer bis Nachmittags davonzutragen. Viagra für die Herzklappen, sehr bekömmlich und echt lecker im Geschmack.

Eines habe ich jedenfalls 100% gelernt: ich werde keine italienische Frau heiraten, es sei denn sie ist stumm. So weit der Bericht aus dem Auslandsstudio. Zurück nach London. So wie es aussieht werde ich doch ein wenig länger bleiben, ich habe ein Haus im Grünen gemietet und bin nun Mr. Untervermieter. Für Freunde einfach "Landlord", obwohl das nicht ganz richtig ist. Sagt aber jeder und hört sich gut an gell. Wie immer bierschale Gruesse, Euer Landlord of the Rings.

P.S. Wer Rock’n’Roll Bilder mag, der schaue hier nach, die Touribilder jibbet hier!

Dieser Beitrag wurde unter Sache, (die wo) passiern (tun) veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar